Juggernaut: Konfliktformationen der planetarischen Moderne. Ein multidisziplinärer Ansatz
Der gegenwärtige Ausgangslage
Im Verlauf des Krieges Russlands gegen die Ukraine, der militärischen Handlungen im Anschluss an den Überfall der Hamas auf Israel und des aufgeflammten Konflikts zwischen den USA und Israel, der Hisbollah, dem Iran und den Houthis zeigen sich die die geopolitischen und geoökonomischen Verwerfungen hin zu einer planetarischen Polykrise.
Dabei ist festzustellen, dass trotz des überwältigenden Wissensstandes bzgl. des anthropogenen Klimawandels und seiner geophysikalischen und sozialen Folgen der 2015 in Paris eingeschlagene Weg internationaler Klimaabkommen zur Regulierung dieser Polykrise weitestgehend verlassen worden ist. Der digitale Kolonialismus und der militärische, geopolitische und Carbon-industrielle Komplex prägen weiterhin die zentrale Dynamik der globalen Entwicklung.
Meine Vorgehensweise
In Anlehnung an Karl Marx (1818-1883) und Anthony Giddens (*1938) wird in meinem neuen Publikationsprojekt die Metapher des Juggernauts herangezogen, um die planetarische Wucht der gegenwärtigen Veränderungen einer Stoffwechselpolitik fassbar zu machen. Die Metapher des Juggernauts fängt dabei das spezifische Lebensgefühl der Gegenwart ein:
Wir sitzen auf einem Gefährt von unvorstellbarer Kraft, das mit rasender Geschwindigkeit fährt, dessen Bremsen aber versagen und dessen Steuerkurs wir kaum noch kontrollieren können.
Um das Gefühl des Steuerungsverlustes begreifbar zu machen, wende ich eine analytisch differenzierte und komplexe Herangehensweise an. Das dient mir einerseits dazu, die blinden Flecken und Exklusionseffekte der voll entfalteten Dynamik des Juggernauts in der planetarischen Moderne zu identifizieren und in den Kontext des "Aufstiegs der Anderen" des Globalen Südens zu stellen. Andererseits stelle ich die vielschichtigen Dilemmata von Nachhaltigkeitspolitik dar.
Ich berücksichtige dabei die vielen inhärenten sowie externen Kontestationen des liberalen Institutionalismus. Denn die internationale liberale Ordnung ist semantisch wie organisatorisch das zentrale Differential globaler Ordnungs- und Strukturierungsprozesse. Sie wird aber bereits von zahlreichen nicht-westlichen Strukturierungsprozessen überwölbt und verdrängt. Allem voran durch das Hegemoniestreben Chinas in Ostasien.
Ausblick
Die zunehmende Apathie in der Gesellschaft und der grassierende autoritäre Zynismus erzeugen in mir ein klares "Trotzdem!":
Komplexe Zeiten benötigen klar aufbereitete und vielschichtig verwobene Antworten, um eine ethisch gehaltvolle Orientierung für diejenigen zu bieten, die sich nicht einfach von ihren Affekten oder von politischen Ideologien leiten lassen wollen.
Deshalb halte ich aus realistischer Perspektive die immense Relevanz und die ethische Begründetheit einer nachhaltigen Gesellschaftsordnung und einer zukunftsorientierten Verantwortungsethik hoch und entwickle diese umfangreich weiter.

